Artikel-Schlagworte: „gurken aus spanien“

Es wird wirklich immer “besser”. Gemüse ist nicht mehr Gemüse, es kann radioaktive Strahlung, krankmachende Bakterien und andere Dinge enthalten die kein Mensch vertragen kann. Und es ist ziemlich egal aus und in welchem Land das passiert. Der nächste Keim kommt aber mit Sicherheit auch über eine Monokultur, einen Transportweg oder einem Großmarkt. Diesmal sind die Gurken halt aus Spanien. Gammelfleisch kam aus Deutschland, Analog-Käse und Glycolwein wohl auch. Wir essen in Plastik abgepacktes Gemüse und Fleisch sonstwo von der Welt und wundern uns vielleicht noch wie gut darunter Bakterien in ihrem eigenen Biofilm überleben und sich ihre potenten Wirte suchen.
Wir waschen uns die Hände, halten uns “steril”, aber was wir in den Mund nehmen lassen wir uns von der Ernährungsindustrie vorkauen. Die “Spezialisten” sind nicht mehr die Leute die es anpflanzen und wissen was da in ihrem Boden und in der Nachbarschaft wächst. Hip ist wer die Früchte aus Fernost “genießt”, sich ernährungsphysiologisch richtig ernährt (das wird vom jeweiligen Zeitgeist, Forschungsstand und der Nahrungsindustrie bestimmt) und das natürlich aus vermeintlichem Bioanbau irgendwo auf der Welt. Das meiste wird durch den Preis festegelegt. Aber warum es zum Beispiel billiger ist Krabben aus der Nordsee in Marokko oder Tunesien auspellen zu lassen und diese dann wieder auf den deutschen Markt zu bringen, fragt sich der Verbraucher nicht. Der Verbraucher will es gesund, billig und selbstverständlich keimfrei. Der “Geldkeim” welcher durch gesunden Wettbewerb viele Leute in Lohn und Brot bringen soll, bringt so leider viele andere Keime hervor. Meiner Meinung nach viel zu kurz gedacht. Das “richtige” Geld wird durch Masse verdient. Sind es keine Gurken, sind es billige T-Shirts oder Klingeltöne. Wo der Mehrwert her kommt ist egal.
Und wenn dadurch noch viele Labore, Qualitätsgutachter, Kontrolleure, Transportunternehmen, Erntehelfer an nur einer Gurke etwas verdienen, ist es wohl in Ordnung.
Ob die Lebensqualität wohl leidet wenn man sich aus der eigenen Umgebung, mit dem was der heimische Boden hergibt und was der Nachbar produzieren kann, zufrieden geben müßte? Wenn man eben statt Gurken Karotten essen muß weil die gerade reif sind oder der gute alte Blattsalat gerade am “schießen” ist und wir deshalb auf heimischen Spinat ausweichen müßten, oder gar ein Gericht ohne Glutamat-Tüte kochen müßten, wären wir dann krank oder nicht mehr so leistungsfähig für die Wirtschaft?
Ich glaube nein, aber probieren wird es wohl niemand mehr, nicht mal selbst gemachte Marmelade.