Man könnte meinen die Entertainment-Industrie hätte als erstes im Internet sein müssen um neue Absatzmärkte und Kultur-Käufer zu erschliessen. Dass dem nicht so ist, bzw. war, kann man daran ablesen dass nun eine schon fast einmalige Hysterie bezogen auf die Sicherung von Copyrightrechten losgetreten wurde. Und zwar von eben dieser Verwertungsindustrie die bis dato nicht in der Lage war zu schnallen dass Internet eben da ist, ob es nun gefällt oder nicht. Was liegt nun näher? Die Konsumenten die Möglichkeiten nutzen an kostenlose Downloads zu kommen statt eine CD oder andere Offlinemedien zu kaufen, zu kriminalisieren, oder sich einen Kopf zu machen wie man diesen Absatzmarkt sauber im Sinne der Künstler mit nutzt?
Diese Verwertungsindustrie hat ein Problem, welches allerdings auch schon vor dem Internet bestand. Es ist leicht einfach eine CD in den Computerschacht zu legen, das Netz zu öffnen und zu sagen, hey hol Dir was Du brauchst. Das gab es zwar immer schon, aber eben nicht so leicht. Man wundert sich doch warum das nicht schon ein Thema in diesem Aussmass war als es noch (nur) Mailboxen gab, in denen genauso urheberrechtliches Material lag wie beim Kumpel im CD-Schrank. Es war schon immer so, wer Freunde hatte , kaufte keine Musik. Ein Produkt wie Musik, Filme oder andere Medien sind im Grunde nur schwach geschützt sobald diese veröffentlicht sind. Wer die Orignale besitzen wollte, musste sie kaufen, aber die Verwertungsindustrie musste damit leben das eine Kopie für Kumpel Karl drin war, genauso wie die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten mit Leuten die keine GEZ zahlen. Was bei Büchern noch funktionieren mag (diese kann man nicht so leicht nachdrucken), funktioniert bei anderen Medien, die sich schnell vervielfältigen lassen, eben nicht mehr.
Es gibt immer diese mindestens beiden Seiten, die Künstler die selbstverständlich ein Recht darauf haben für Ihre Werke anständig entlohnt zu werden (und das ist der Schutz des Copyrights) und die Verbraucher, die auch die Möglichkeit haben Stücke zu kopieren. Genauso hat der Verbraucher auch die Möglichkeit Steuern zu hinterziehen, keine GEZ zu zahlen oder umsonst Bahn zu fahren, eben bis er erwischt wird.
Nun wird Hehlerei, Steuerhinterziehung und Diebstahl schon aus gutem Grund bestraft. Und wer Copyright geschütztes Material unters Volk bringt um damit Kasse zu machen, hat einiges an Strafen und Schadensersatzforderungen zu erwarten. Das ist auch richtig so.
Aber ist es richtig z. B. einen Schüler als kriminell zu betrachten weil er ein Musikstück aus dem Internet herunterlädt statt es sich von der CD-Kumpel zu kopieren? Nur weil es so leicht ist? Wird nicht auch der bestraft der sein Auto offen lässt oder die Wohnungstür und sich dann wundert dass ihm zumindest eine Mitschuld tifft?
Ich denke diesen Vorwurf der Mitschuld muss sich die Verwertungsindustrie gefallen lassen. Vor allem bei den Bestrebungen durch Einflussnahmen auf EU und Ländergesetzgebung “Copyrightverletzern” Zugänge zu Onlinediensten zu sperren oder Schüler mit horrenden Schadensersatzforderung zu überziehen. Abgesehen davon dass sich das kaum kontrollieren lässt, ist es eine ziemliche Vermessenheit eines Industriezweiges zu bestimmen wem das Internet gehört. Man kann sicher ein “Hausverbot” für “spielmichtot.de” aussprechen, was genauso wenig zu kontrollieren ist, aber der Versuch Menschen von der Autobahn-Datenverkehr ausschliessen zu wollen nur weil eine Industrie zu blöd ist ihre Dateien ordentlich und sicher einzustellen, ist ja wohl die vermessenste Forderung die je ein User vernommen hat. Ich bin der Meinung wenn diese Verwertungsindustrie nicht in der Lage ist ihren Künstlern durch die Vermarktung im Internet die angemessene Vergütung zukommen zu lassen, hat diese Industrie Internetverbot zu bekommen und nicht die Fahrer auf der Datenautobahn.
Wer zu spät kommt den bestraft das Leben, der Spruch gilt auch hier. Hätte es vor Jahren, als auch die technischen Möglichkeiten lange bestanden, eine legale Plattform gegeben auf der einzelne Stücke hätten gekauft werden können, wären die Tauschbörsen garnicht so ausgeufert. Aber es gab nichts dergleichen. Weder die Printmedien noch die Platten- oder Filmindustrie haben im Internet investiert, sie haben diese weltweite Communityplattform nicht als solche wahrgenommen. Das hätten sie aber müssen, und das sogar sofort als das erste Bild und das erste wmf File auftauchte auf dem ein Künstler zu hören war der sich einer Verwertungsgesellschaft angeschlossen hatte.
Diese Industrie mit diesen Produkten gehört aus dem Internet verbannt und nicht der User. Die Leute die im grossen Stil (auch kostenlos) geschützte Dateien anbieten gehören bestraft, diese lassen die Autotür zum klauen offen. Wir können auch nicht chronische Diebe des Landes verweisen, wir müssen sehen das sie wieder zu einem nützlichen Mitglied der Gesellschaft werden. Dazu gehört dass geschütztes Material nicht auf einem Server liegt der offen ist wie ein Scheunentor. Dazu gehört gegenseitige Achtung – und – Kommunikation. Es ist erstaunlich das gerade die Industrie das nicht offeriert die letztentlich genau von Kommunikation lebt, dieses nicht beherzigt sondern auf Ausgrenzung ihrer eigenen Konsumenten setzt.
Diese Methode mit Angst Geld zu machen wird auf Dauer nicht funktionieren, nicht in einem weltweiten Rechnerverbund in dem man jahrelang Hase und Igel spielen kann.